From a trainstation to an urban artspace
Künstlerhaus Güterabfertigung Bremen


Seit Anfang 2009 ist der Künstlerverein "Verein 23 e.V. zur Förderung intermedialen Kulturaustausches" Generalmieter des gesamten 36.000 qm großen, zentral gelegenen Bremer Güterbahnhofs.

Über 200 Künstler, Musiker und Kulturschaffende aller Gattungen nutzen inzwischen das einmalige Zentrum zeitgenössischer Kunst als Arbeits-, Probe- und Produktionsraum und die Ausstellungs- und Veranstaltungsorte "Spedition","Schaulust", "Gleishalle" und "Galerie Herold" haben sich als feste Größen der Bremer Kulturlandschaft etabliert.

Allein im Zeitraum Anfang 2009 bis Sommer 2013 fanden im Güterbahnhof um die 650 Ausstellungen, Projekte, (Theater-) Aufführungen mit Künstlern aus Japan, Kanada, Brasilien, USA, Russland, Korea und nahezu allen europäischen Länder sowie Diplompräsentationen, Graffiti-Projekte, Video- und Filmdrehs etc. mit steigender Tendenz statt. Darunter die Bremen-Salzburg-Ausstellung 2012, 40Jahre-Presseclub, der Kunstfrühling 2009 und 2011, der 32. evangelische Kirchentag 2009, diverse Kongresse u.v.m. Auch ist die 100.000-Besucher-Marke inzwischen geknackt worden.

Die künstlerisch-kulturelle Bewirtschaftung und Entwicklung des Areals durch den Verein 23 geht auf dessen betreiben des Künstlerhauses Güterabfertigung am Güterbahnhof seit Dezember 1997 zurück. Mit der damaligen Anmietung sollte auch eine Plattform junger, avantgardistischer zeitgenössischer Kunst entstehen.

Eine der wesentlichen Drehscheiben dieser Kunstvermittlung und -präsentation ist neben der "Schaulust" und der "Spedition" die "Galerie Herold", die eine Initiative der im Künstlerhaus arbeitenden Künstlerinnen und Künstler darstellt. Die Ausstellungskultur berücksichtigt Positionen aus dem In- und Ausland.

Die im Güterbahnhof vertretenen Arbeitsformen umfassen neben der darstellenden Kunst fast das gesamte Spektrum zeitgenössischer Kunst: Bildhauerei / Skulptur / Plastik, Maschinenkunst, Film / Video / Medienkunst, Malerei, Zeichnen, Architektur, Druckgrafik, Mode, Goldschmiedearbeiten, Möbel-Design, Grafik-Design, Fotografie.

Die "Galerie Herold" wurde bereits 1994 in der ehemaligen Ateliergemeinschaft "Güldenhaus" gegründet. Nach der Schließung des Hauses fand die Galerie 1997 neue Räumlichkeiten im Künstlerhaus Güterabfertigung. Hier organisiert eine Gruppe von Bremer Künstler und Künstlerinnen ehrenamtlich Ausstellungen von jungen nationalen wie internationalen Künstler und Künstlerinnen. Die "Galerie Herold" ist eine Autoren Galerie, d.h. bei Verkäufen von Kunstwerken erhält die Künstlerin oder der Künstler das gesamte Honorar. Das Ausstellungsprogramm der Galerie genießt seit Jahren ein reges Interesse in der Öffentlichkeit. Die "Galerie Herold" finanziert sich durch niedrige Projektzuschüsse aus dem Kulturressort.

Neben der "Galerie Herold" ist seit November 2005 mit der "Spedition" ein weiteres öffentliches Projekt unter dem Dach des Verein 23 entstanden. Das Projekt "Spedition" war eines der Förderprojekte des Kulturhauptstadtfonds zur Bewerbung Bremens um die europäische Kulturhauptstadt 2010.

Die "Spedition" ist ein Zusammenschluss verschiedener, selbst organisierter Gruppen aus Kunst und Kultur und bilden einen Ausstellungs- und Veranstaltungsort als Laboratorium. Das Projekt "Spedition" versteht sich als Veranstaltungsort und interdisziplinäre Plattform, als Umschlagsplatz für künstlerische Ideen und Visionen zeitgenössischer Kunst, als Ort, der dem künstlerischen Nachwuchs ein Feld zum Ausprobieren bietet. Gastateliers ermöglichen Austauschprojekte mit anderen europäischen Kunst- und Kulturzentren.

Seit Januar 2009 hat ein neues Kapitel für den Güterbahnhof und den Verein 23 begonnen. Denn aufgrund der durch die Kulturhauptstadtbewerbung angestoßenen Prozesse hatten Verantwortliche der Stadt Bremen die Idee, dem Verein 23 den gesamten Güterbahnhof zur kulturellen Bewirtschaftung und Entwicklung zu überantworten, der bis dato für die Stadt quasi unvermietbar war und zu deren Leidwesen lediglich Kosten verursachte.

Nach über zwei Jahren Planungen und Verhandlungen mit der Stadt Bremen (vertreten durch die Bremer Investitions-Gesellschaft mbH) ist der Verein 23 seit dem Generalmieter des gesamten ehemaligen Güterbahnhofs und vermietet / verwaltet / entwickelt künstlerisch-kulturell alle Bereiche auf dem Gelände hinter der Bahnschranke. Der Vertrag mit der Stadt wurde zunächst für fünf Jahre abgeschlossen mit der einseitigen Option auf eine Verlängerung um weitere drei Jahre, die inzwischen erfolgt ist.

Maßgeblich für die Entscheidung des Verein 23, das gesamte Areal zu übernehmen, war, allen bisherigen Mietern auf dem Gelände eine Perspektive zu bieten, was bei Mitbewerbern um das Gelände sehr unwahrscheinlich gewesen wäre. Trotz des in einigen Teilen sehr maroden Zustandes wurde der Güterbahnhof seit dem mit der Schaffung neuer Hallenateliers, Hallenausbau etc. schrittweise instandgesetzt und als zentraler Kunst- und Kulturstandort der freien Bremer Szene etabliert.

Die meisten Künstler und Kreativen in Bremen haben mittlerweile einen direkten oder indirekten Bezug zum Güterbahnhof. Sie arbeiten dort oder sind durch Projekte und Kooperationen mit dem Güterbahnhof vernetzt. So sind u.a. auch die Shakespeare Company, Urban Screen, das Blaumeier Atelier, das Krankenhaus Museum, der Bremer Karneval, die Blaue Karawane, die WildeBühne, Manic Circus, das Theaterkontor, Mensch Puppe, das AlsoMirSschmeckts!-Theater, Moks oder die Hochschule für Künste feste Mieter im Güterbahnhof.

Unter der Projektsteuerung des Verein 23 e.V. hat der Güterbahnhof eine rasante Entwicklung und Belebung des aus stadtentwicklungspolitischer Sicht ehemals problematischen Gebiets erlebt, das vor einem Jahrzehnt noch in großen, ungenutzten und gesperrten Bereichen von einer innerstädtische "Verslumung" bedroht war.